Die KfW hat Anfang Januar 2026 eine Sonderauswertung ihres Mittelstandspanels zur Unternehmensnachfolge veröffentlicht. Die Ergebnisse zeigen deutliche strukturelle Herausforderungen für den deutschen Mittelstand: Rund jedes vierte mittelständische Unternehmen erwägt eine Stilllegung nach dem Ausscheiden der derzeitigen Eigentümergeneration. Besonders betroffen sind Betriebe, deren Inhaber bis zum Jahr 2029 ihren Rückzug planen. Für etwa 569.000 Unternehmen wird laut KfW keine Fortführung angestrebt – das entspricht im Durchschnitt rund 114.000 Betriebsaufgaben jährlich.
Demgegenüber planen etwa 545.000 Betriebe, bis Ende 2029 eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger zu finden. Damit entsteht erstmals ein leichter Überhang an Unternehmen, die eine Schließung beabsichtigen. Grundlage dieser Ergebnisse ist eine Sonderauswertung des repräsentativen KfW-Mittelstandspanels, das im Zeitraum von Februar bis Juni 2025 mehr als 13.000 mittelständische Betriebe befragt hat.
Als Hauptursache für die geplanten Geschäftsaufgaben nennt die KfW das steigende Alter der Unternehmensinhaberinnen und -inhaber: Schon 57% der mittelständischen Unternehmerinnen und Unternehmer waren im Jahr 2025 älter als 55 Jahre – ein Zuwachs um drei Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr und eine Verdreifachung innerhalb von zwei Jahrzehnten. Hinzu kommt, dass fast die Hälfte der Befragten mit Stilllegungsplänen (47 %) keinen Nachfolgeinteressenten innerhalb der Familie findet.
Bemerkenswert ist zudem der stark steigende Anteil derer, die übermäßige Bürokratie als Hindernis nennen – mit 42 % so hoch wie nie zuvor und zwölf Prozentpunkte höher als im Vorjahr.
Bei der Art der angestrebten Nachfolgelösungen bleibt die familieninterne Übergabe mit 55 % die bevorzugte Variante, gefolgt vom Verkauf an externe Käufer (42 %), der Übergabe an Mitarbeitende (28 %) und der Übernahme durch Miteigentümer (24 %).
Ein zentrales Problem bleibt laut KfW die Einigung auf einen realistischen Kaufpreis. In den letzten fünf Jahren sind die Kaufpreisvorstellungen um 34% gestiegen und liegen im Durchschnitt bei 499.000 Euro (2019: 372.000 Euro). Selbst preisbereinigt bedeutet das ein Plus von rund 9,5%. Im Median liegt die erwartete Verkaufssumme bei 375.000 Euro – damit hat sich der Wert seit 2019 mehr als verdoppelt.
Besonders auffällig ist die Entwicklung in der Bauwirtschaft: Die Kaufpreisvorstellungen stiegen seit 2019 um 51 % auf 370.000 Euro. Dennoch liegt dieser Betrag weiterhin am unteren Ende des Branchenspektrums. Laut KfW-Analyse erzielen Bau- und Handwerksbetriebe mit einem Umsatz unter 20 Millionen Euro beim Verkauf meist nur das 0,25 bis 0,5-Fache ihres Jahresumsatzes, während der Median branchenübergreifend bei 0,6 liegt.
Den vollständigen Bericht finden Sie im Anhang.
Für die Praxis
Die Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig eine frühzeitige und strategisch geplante Nachfolgeregelung ist. Sprechen Sie gern vertrauensvoll Ihren Verband an und lassen Sie sich durch uns beraten.
Nachfolgend unsere Empfehlungen zum Einstieg in das Thema auf den Punkt gebracht:
- Erhöhen Sie die Attraktivität Ihres Betriebes für potenzielle Kunden, Mitarbeiter und Nachfolger.
- Investieren Sie in die Ausstattung Ihres Betriebes und achten Sie darauf, dass Ihr Betrieb wettbewerbsfähig ist und bleibt.
- Tun Sie alles dafür, dass Ihr Betrieb auch zukünftig in der Lage sein wird, für seinen Inhaber ein angemessenes Einkommen zu erwirtschaften.
- Lösen Sie sich schrittweise von Ihrem Unternehmen – lernen Sie loszulassen und machen Sie Pläne für die Zukunft.
- Wenn möglich: Reduzieren Sie die Erfolgsabhängigkeit Ihres Betriebes von Ihrer Person.
- Starten Sie 7 bis 10 Jahre vor dem geplanten Übergabetermin (max. 65. Lebensjahr).
- Seien Sie offen für verschiedene Nachfolgevarianten und wählen Sie die beste Lösung für Ihren Betrieb.
- Versuchen Sie von vornherein Streitigkeiten durch offene und verbindliche Kommunikation in der Familie / unter den Gesellschaftern zu vermeiden.
- Treffen Sie – unabhängig von der geplanten Unternehmensnachfolge – Vorsorgemaßnahmen dafür, dass Sie ungeplant ausfallen und Ihren Betrieb zeitweise oder dauerhaft nicht führen können.
- Erstellen Sie einen „Notfallkoffer“, der alle wichtigen Dokumente enthält, um zu vermeiden, dass das Unternehmen führungslos wird.
- Denken Sie an Vertretervollmachten und machen Sie ein Testament.
Bitte kontaktieren Sie uns, wenn Sie Fragen haben oder eine Beratung wünschen, denn: Wer früh plant, hat später mehr!
Neues Seminarangebot
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